Abstract
Am 22. Februar 1908 erscheint in der Wiener Neuen Freien Presse ein Leserbrief des Zivilingenieurs J. Berdach. Dort wird eine Erdbebenerfahrung geschildert mit Hinweisen etwa auf ein »Zittern in der Hand« oder mit einer fachwissenschaftlichen Differenzierung in tellurische und kosmische Erdbeben. Kaum eine Woche später folgt ein Artikel in der Fackel, in dem Karl Kraus – verbunden mit einer scharfen Verurteilung des Journalismus – offenlegt, dass die Zuschrift von ihm gestammt habe. Diese Fake-Strategie, die später von Arthur Schütz in seinen ›Grubenhunden‹ wieder aufgenommen und wiederum von Kraus an vielen Stellen kommentiert wurde, wird im Artikel als Form der praktischen Medienkritik verstanden und genauer analysiert.