Plagiat und Fälschung: Filiationen von Originalität und Autorschaft, in: Plagiate, Berlin: Trafo-Verlag 2011 (Beiträge zur Rechts-, Gesellschafts- und Kulturkritik 10)
Plagiat und Fälschung: Filiationen von Originalität und Autorschaft, in: Plagiate, Berlin: Trafo-Verlag 2011 (Beiträge zur Rechts-, Gesellschafts- und Kulturkritik 10)
Abstract
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung von Fälschung und Plagiat. Ausgehend von einer analytischen Unterscheidung beider Phänomene wird eine signifikante Gemeinsamkeit herausgearbeitet. Bei beiden wird nämlich stillschweigend eine Zweiheit – ein vorgängiges Werk, eine textliche Autorität – vorausgesetzt, die zugleich zum Verschwinden gebracht wird. Da in diesem Zusammenhang nicht nur das Fälschen und Plagiieren als ›Delikt‹ gilt, sondern auch das Versagen von Experten, dies zu erkennen, werden vor allem die kritischen Effekte, die bei der Aufdeckung angestoßen werden, in den Blick genommen. Um diese kritischen Implikationen vor Augen zu führen, wird ein 1944 unter dem Namen Ern Malley in der Literaturszene Australiens platziertes Gedicht-Fake genauer untersucht. Denn es sollte nicht nur avant la lettre den poetologischen Tod des Autors präfigurieren, sondern auch Auswirkungen auf den literarischen Avantgarde-Diskurs Australiens zeitigen, die ein vergleichbares ‚Original’ nicht gehabt hätte.